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Sie fahren auf eine scharfe Linkskurve zu. Kurz vor dem Scheitelpunkt der Kurve sehen sie Bremsspuren, sie werden stutzig und verlangsamen die Fahrt. Wenige Meter weiter trauen Sie ihren Augen nicht. Vor ihnen, abseits der Straße, liegt ein anderes Auto im Graben. Es ist gegen einen Baum geprallt.

Sie fahren rechts ran, bleiben stehen und schalten den Warnblinker ein. Sie steigen aus und blicken für wenige Sekunden regungslos auf das Auto was im Graben liegt. Es dämmert ihnen was hier passiert sein muss und sie fangen an sich daran zu erinnern was Sie vor 20 Jahren in der Fahrschule gelernt haben in Falle eines Unfalls.

Absichern! Sie öffnen ihren Kofferraum und holen ihr Warndreieck heraus. Da der Unfall in einer Kurve passiert ist müssen Sie nun joggen, da das Warndreieck in 100 Meter Entfernung vor der Kurve aufgestellt werden muss, damit andere Autofahrer rechtzeitig gewarnt sind. Nachdem das Warndreieck aufgestellt ist laufen Sie zurück und schnappen sich ihren Verbandskasten. Flüchtig blicken Sie auf das Verfallsdatum und stellen fest "Mist, abgelaufen! Aber wahrscheinlich besser als gar nichts."

Langsam und vorsichtig gehen Sie die Böschung herunter und nähern sich dem verunfallten Fahrzeug. Durch die Heckscheibe können Sie schon eine Person hinter dem Lenkrad erkennen. Sie bewegt sich nicht! Durch den Unfall ist die Seitenscheibe auf der Fahrerseite gesprungen. Sie sprechen den Fahrer an und rütteln ihn leicht. Kein Mucks, keine Bewegung. Ihr Adrenalinspiegel steigt in ungeahnte Höhe und sie suchen mit zitternden Fingern das Handy in ihre Hosentasche. Sie finden es und wählen den Notruf: 112!

Alle Anrufer, welche in den Kreisen Pinneberg, Steinburg und Dithmarschen den Notruf 110 (Polizei) oder 112 (Feuerwehr und Rettungsdienst) wählen, erreichen die Kooperative Regionalleitstelle West in Elmshorn.

 

In der Leitstelle arbeiten Polizeibeamte der Landespolizei Schleswig-Holstein Hand in Hand mit Angestellten des Kreises Pinneberg. Aus Datenschutzgründen sind die Räume der Polizei und der Feuerwehr (bzw. des Rettungsdienstes) getrennt, liegen aber dicht zusammen. So können bei gemeinsamen Einsätzen wichtige Informationen schneller ausgetauscht werden und direkte Absprachen erfolgen. Auf diese Weise lässt sich der Einsatzablauf optimieren.

 

Bei einem eingehenden Notruf fragt der Leitstellendisponent die 5 W-Fragen ab:

  • Wo ist etwas geschehen?
  • Was ist es geschehen?
  • Wie viele Personen sind betroffen?
  • Welche Art der Erkrankung/Verletzung liegt vor?
  • Warten auf Rückfragen!

Dies erfolgt um wichtige und genaue Informationen zum Geschehen zu erhalten und um fachgerechte Hilfe zu schicken.

Die gewonnenen Informationen werden in ein spezielles Einsatzleitprogramm der Firma Eurofunk Kappacher eingegeben, danach wird das entsprechende Einsatzstichwort für die Rettungskräfte ausgewählt. Im Falle unseres Beispiels wäre dies z.B. "VU, Person klemmt" (Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person). Das Einsatzleitsystem ermittelt die zum Einsatzort günstigsten Einsatzmittel und erstellt einen Einsatzvorschlag. Hierbei werden auch außer Dienst gemeldete Einsatzmittel oder Feuerwehren berücksichtigt und durch angrenzende Kräfte ersetzt.

 

Nachdem der Disponent den Einsatzvorschlag auf Plausibilität überprüft hat, führt er die Alarmierung durch. Die Einsatzkräfte werden durch ein verschlüsseltes, digitales Alarmierungssystem der Firma Swissphone benachrichtigt. Hierdurch ist im Rahmen des Datenschutzes sichergestellt ist, dass keine Unbefugten an einsatz- bzw. personenbezogene Daten gelangen können.

Durch die Alarmierung lösen digitale Funkmeldeempfänger und / oder Sirenen aus. Je nach Ausmaß des Schadens, wird das Aufgebot an Rettungskräften bestimmt (siehe hierzu Alarmierung).

Nach erfolgter Alarmierung begeben sich die alarmierten Feuerwehrangehörigen auf dem schnellsten Wege zur Feuerwache, rüsten sich dort mit ihrer persönlichen Schutzkleidung aus und besetzen das Einsatzfahrzeug. Nachdem das Fahrzeug vollbesetzt ist, rückt dieses aus und macht sich auf den Weg zur Einsatzstelle. Weitere Fahrzeuge folgen nach Bedarf.

Zurück zu unseren am Anfang genannten Beispiel: Sie haben den Notruf abgegeben, der Disponent nennt ihnen die ungefähre Ankunftszeit der Rettungskräfte und bittet sie aufzulegen. Nun sollten Sie der verunfallten Person erste Hilfe leisten im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Trauen Sie sich dies nicht alleine zu, können Sie dies auch dem Disponenten mitteilen. Er wird ihnen dann telefonisch Helfen.

Wichtig: Auch einfaches "Händchen halten" gilt als erste Hilfe!

Der Gruppenführer der mit dem ersten Fahrzeug am Einsatzort eintrifft führt eine Lageerkundung durch. Hierzu zählt auch das Befragen der Person, welche den Notruf abgesetzt hat. Anschließend gibt er umgehend eine Rückmeldung zur Leitstelle ab.

Reichen die alarmierten Kräfte nicht aus, so werden weitere Einsatzkräfte angefordert und durch die Leitstelle alarmiert. In diesem Fall können auch Feuerwehren der Nachbargemeinden in den Einsatz einbezogen werden, wenn diese nicht bereits schon mit alarmiert wurden.

Zahlen, Daten, Fakten:

  • die Leitstelle in Elmshorn besteht seit Dezember 2001
  • pro Tag werden 250 - 300 Einsätze koordiniert (über alle beteiligten Landkreise hinweg)
  • tagsüber verrichten 6 Disponenten ihren Dienst, am Wochenende sind es 4 Disponenten, da weniger Krankentransporte stattfinden