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Vom ersten Jahr ihres Bestehens an pflegte die Freiwillige Feuerwehr Appen die Kameradschaft und ein gutes Verhältnis zu der Bevölkerung mit regelmäßigen Bällen, geselligen Veranstaltungen und anderen Bräuchen.

Bis heute hat sich die gute Gewohnheit erhalten, den aktiven Kameraden und deren Frauen mit einem Geschenk zur Grünen, Silbernen und Goldenen Hochzeit zu gratulieren. Zu jeder Hochzeit werden zwei Kameraden für die Überbringung eines Geschenks bestimmt. Dazu bringt der Spielmannszug ein Ständchen. Zu den Silberhochzeiten der ersten Feuerwehrleute Hinrich Pein und Wilhelm Pein trat sogar die ganze Wehr beim Spritzenhaus an um geschlossen zum Festlokal zu marschieren.

Ebenso lange hält sich der Brauch, einem verstorbenen Kameraden die letzte Ehre zu erweisen. Als die Toten noch mit einem Leichenwagen nach Rellingen gefahren werden mußten, stiftete die Wehr das Geld für den Leichenwagen.

Eine lange Tradition hat bereits der "gemütliche Abend" der Feuerwehr. Der Begriff taucht zum erstenmal im Januar 1930 auf, um 1935 und 1936 noch einmal erwähnt zu werden. Nachher war es wohl vorerst mit der Gemütlichkeit vorbei; denn erst am 10. September 1949 gibt es wieder einen "gemütlichen Abend" mit einer Kaffeetafel. Diese später auf ein Festessen umgestellte Veranstaltung an jedem ersten Sonnabend im November war zeitweise ein Fest für das ganze Dorf. Es erfreute sich einer derartigen Beliebtheit, dass kaum alle Gäste an der Tafel Platz fanden. Damals drängten sich die jungen Mädchen aus Appen darum, die Gäste bedienen zu dürfen. Zu den Bällen vor 1900 durften die Kameraden ihre konfirmierten Töchter in die Gesellschaft einführen.

Aus dem Veranstaltungskalender verschwunden ist das einst so beliebte Himmelfahrtsfest im "Heidekrug", Etz. Der erste Ball mit Preisschießen fand dort am 29. Juli 1923 statt. Regelmäßig wurde dieses Fest allerdings erst ab 1950 gefeiert. Nach der Verlegung in das Lokal von Erika Pein in Appen im Jahre 1969 mußte diese Veranstaltungsreihe nach 1972 aus technischen Gründen aufgegeben werden. Geblieben sind davon das morgendliche Wecken des Spielmannszuges und der Himmelfahrtsfrühschoppen der Feuerwehr.

Lange Zeit wurde auch die Jahresabschlussübung mit einem Ball verbunden. Schon die Gründer der Wehr mußten vor ihrem ersten Ball erst eine Übung und ein Fußexerzieren vorführen und im Paradeschritt marschieren, bevor sie das Tanzbein schwingen durften. Am Parademarsch vor dem ersten Ball am 12. Oktober 1890 beteiligten sich auch die als Gäste anwesenden Kameraden der Nachbarwehren. Anschließend hielt der Lehrer Heinrich Hahn eine begeisternde Ansprache, in der er die Geschicklichkeit der Feuerwehr lobte. 

Zum 10jährigen Stiftungsfest der Wehr kostete ein Essen 1,50 Reichsmark pro Person. Wehrmänner, die zehn Jahre in der Wehr waren, bekamen auf jeder Kragenseite der Uniformjacke einen Stern. Ein Maskenball veranstaltete die Wehr erstmals im Januar 1897. Ein Protokollbericht über ein derartiges Vergnügen erscheint allerdings erst wieder 1964. Nachdem diese Veranstaltungen anfangs gut besucht waren, lockten sie in den letzten Jahren auch dann kaum noch Gäste an, als Feuerwehr und Sportverein daraus gemeinsam ein Kostümfest machten.

Kein Echo fand nach dem letzten Krieg der Versuch, regelmäßig einen Silvesterball zu veranstalten. Dafür bereiten die Feuerwehren, der Sportverein und der Sparclub den Appener Kindern ab 1966 ein gemeinsames Vergnügen mit Kindermaskeraden und Kostümfesten. An die Adresse der Kinder gerichtet war ursprünglich der Laternenumzug mit dem Spielmannszug, der erstmals im September 1956 durchgeführt wurde. Längst schon nehmen fast mehr Erwachsene als Kinder an diesen abendlichen Spaziergängen mit Musik teil, die meistens mit einer fröhlichen Volksversammlung vor der Feuerwache enden.

Die Feuerwehrausfahrten in den letzten Jahrzehnten, von denen die erste 1951 in den Sachsenwald führte, dürften ihre Vorläufer in den Pfingstausflügen der Gründungsmitglieder haben, die an einem der Festtage zu Fuß nach Heist oder Prisdorf unterwegs waren. Dabei hatten die Vorväter der Wehr ein besonders gutes Verhältnis zu ihren Prisdorfer Kameraden. Zu gegenseitigen Besuchen wurde die trennende Pinnau auch schon mal mit einem Boot überquert. Zur frühen Morgenstunde tauchten die Prisdorfer Pfingsten 1923 in Appen auf, um dem Feuerwehrhauptmann Artur Rechter ein Ständchen zu bringen. Diesen musikalischen Auftakt folgte ein feuchtfröhlicher Zug mit den Appener Kameraden durch die Gaststätten im Dorf.

Fix was los war auch immer, wenn die Appener Feuerwehr ein Jubiläum feierte. Nur die Feiern zum 25. und 50. Bestehen der Wehr mußten wegen der beiden Weltkriege ausfallen. zum 75. Jubiläum stiftete die Appener Bevölkerung 1964 ihrer Feuerwehr eine Fahne. Diese wurde im Rahmen des nach Appen vergebenen Kreisfeuerwehrtages geweiht.